Gichin Funakoshi

Gichin Funakoshi, geboren in Shuri auf Okinawa, gilt heute als Vater des modernen Karate. Er brachte Anfang des 20. Jahrhunderts die bis dahin im Geheimen geübte Kampfkunst nach Japan.
In seinem Buch «Karate Do – Mein Weg», längst eine Pflichtlektüre für jeden Karateka, beschreibt er die Stationen seines Lebens. Als junger Mann war er eher klein und kränklich, bevor er unter Meister Yasutsune Azato das Karate-Training aufnahm.
Bald schon verbrachte er Tage und Nächte mit seinem Training. Er beschloss, sein Leben dem Studium des Karate-Do zu verschreiben.
Für Meister Funakoshi war Karate nie alleine eine Kampfkunst, sondern ein Weg zur Perfektionierung des eigenen Charakters.
Er prägte unter anderem den Leitsatz:
«Bevor du den Gegner besiegst, musst du dich selbst besiegen.»
In seinen 20 Regeln beschreibt er, wie wichtig die innere Haltung des Karateka ist.

Vater des modernen Karate Do
* 1868     † 1957

«So wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateka sein Inneres leer machen von Selbstsucht und Bosheit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln.
Das ist mit «Kara» oder «Leer» im Karate gemeint.»

Gichin Funakoshi beim Makiwara-Training

Die 20 Regeln von Gichin Funakoshi

1. Karate-Do beginnt mit Respekt und endet mit Respekt

karate wa rei ni hajimari rei ni owaru koto

2. Im Karate gibt es keinen ersten Angriff

karate ni sente nashi

3. Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit

karate wa gi no tasuke

4. Erkenne zuerst Dich selbst, dann den anderen

mazu jiko o shire shikoshite hoka o shire

5. Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik

gijutsu yori shinjutsu

6. Lerne, Deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn dann

kokoro wa hanatan koto o yosu

7. Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit

wazawai wa ketai ni shozu

8. Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet

dojo no mi no karate to omou na

9. Karate üben heißt: Ein Leben lang arbeiten. Darin gibt es keine Grenzen

karate no shugyo wa issho dearu

10. Verbinde Dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst Du geistige Reife erlangen

arayuru mono o karate kasase soko ni myomi ari

11. Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn Du es nicht ständig warm hältst

karate wa yu no gotoku taezu netsu o ataezareba moto no mizu ni kaeru

12. Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert

katsu kangae wa motsu na, makenu kangae wa hitsuyo

13. Wandle Dich abhängig vom Gegner

teki ni yotte tenka seyo

14. Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab

ikusa wa kyojitsu no soju ikan ni ari

15. Stelle Dir Deine Hand und Deinen Fuß als Schwert vor

hito no teashi o ken to omoe

16. Wenn man das Tor zur Jugend verläßt, hat man viele Gegner

danshimon o izureba hyakuman no teki ari

17. Die Haltung des Anfängers muß frei sein von eigenen Urteilen, damit er später ein natürliches Verständnis gewinnt

kamae wa shoshinsha ni, ato wa shizentai

18. Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil

kata wa tadashiku, jissen wa betsu mono

19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung

chikara no kyojaku, karada no shinshuku, waza no kankyu o wasuru na

20. Denke immer nach, und versuche Dich ständig an Neuem

tsune ni shinen kofu seyo

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